Montag, 20. März 2017

MEINE IMAGINÄRE REISE, 17. MÄRZ (SECHZEHNTER TAG)
Von Santa Fe nach Boulder/Colorado. Dazwischen kurzer Stopp in Denver.
In Colorado sind die Menschen allgemein ziemlich viel schlanker als sonstwo bisher in den USA. Und Boulder selbst ist nicht nur zu einer der drei besten Velostädte der Staaten gewählt worden, sondern hat auch eine Fußgängerzone. Dazu kann man hier prima vegetarisch essen. Oder wie andere es tun: kiffen.
Abends im Pub (St. Patricks Day) von einer Frau gefragt worden, ob sie an meinem Bart riechen dürfe ... 

Freitag, 17. März 2017

MEINE IMAGINÄRE REISE, 16. MÄRZ (FÜNFZEHNTER TAG)
Wenn der Ami auf dem Land betrunken ist, siehe da, sagt er manchmal doch «on foot» und nicht «by foot» (worauf einige sonst stolz sind ...).
Bei der Fahrt von Carlsbad über Roswell (ja, genau dieses, jaja ...) nach Santa Fe eine Riesenneonlichtanzeige gesehen, die jeweils das letzte Paar zeigt, das im entsprechenden Kaff geheiratet hat: was für zwei Monate of fame ... 
Vor dem schlafen noch 43 Minuten joggen gegangen (Höhe: 2200 Meter) ...

Donnerstag, 16. März 2017

MEINE IMAGINÄRE REISE, 15. MÄRZ (VIERZEHNTER TAG)
Früh am Morgen zum Fort Davis. Um acht spielen sie da die Reveille. Danach zu den Carlsbad Caverns. Und abends in Carlsbad. Wieder: Kaum kommt man in einen Waschsalon und hat kein Waschmittel, wird einem eins geschenkt. 
MEINE IMAGINÄRE REISE, 14. MÄRZ (DREIZEHNTER TAG)
Heute sechseinhalb Stunden in der Wüste Sonora. Wasserverbrauch: siebeneinhalb Liter. Pinkelpause: zwei Mal.
Ein weiteres Klischee also immer noch und doch: Hier, ausgerechnet HIER denke ich, dass man eigentlich als Schriftsteller (denn manchmal habe ich in letzter Zeit daran gezweifelt) eben doch nicht nur immer neue Geschichten erzählen sollte (und alte bzw. immergleiche), sondern auch neue Formen ausprobieren muss. Was bringt die Menschen evolutionstechnisch vorwärts? Wissenschaft, Leistungen im sportlichen Bereich, die Medizin ... Während da niemand denkt, man solle immer auf dieselbe Art und mit denselben Hilfsmitteln operieren, werden die Progressiven in der Literatur mehr als selten schräg angeschaut. Aber wenn nicht, wie schon mal gesagt, unser ganzes menschliches Bewusstsein als solches eine Sackgasse der Evolution sein sollte, könnte es gut sein, dass die Literatur die Menschen entscheidend vorwärtsbringen wird. Es könnte auch ein ganz anderes Gebiet sein, etwa der Sex. Aber vielleicht eben doch die Literatur. Sie hat schon bedeutende Schritte gebracht ... – 

Mittwoch, 15. März 2017

MEINE IMAGINÄRE REISE, 13. MÄRZ (ZWÖLFTER TAG)
Ich reise gar nicht. Ich führe mir nur Orte vors Auge.
Und trotzdem ging’s heute von Rocksprings erstmals als Auto-Tag Stunde um Stunde im Sitzen weiter: Zuerst machen wir wegen des Navi-Geräts eine zweistündige Rundfahrt, um am Ende wieder in Rocksprings zu landen. Wir stellen auf die gute alte Weise um und lesen Karte: über Del Rio und Sanderson nach Marathon. Dort die bisher beste Pizza in Amerika gegessen. Dann in den Big Bend Nationalpark. Weil aber gerade Springbreak angefangen hat, sind da und rundherum alle Motels voll. Wir müssen bis Alpine fahren, um was zu finden.
Abends trotzdem noch joggen gegangen. 

Montag, 13. März 2017

MEINE IMAGINÄRE REISE, 12. MÄRZ (ELFTER TAG)
Abgesehen vom Besuch des Space Centers in Houston (und dem Anblick der Skyline von Houston) heute durch Landschaften gefahren, wie ich sie noch nie gesehen habe: von San Antonia bis Rocksprings/Texas.
Session im Auto: Lana Del Rey mit «Born to Die». 

Sonntag, 12. März 2017

MEINE IMAGINÄRE REISE, 11. MÄRZ (ZEHNTER TAG)
Am Morgen früh geht’s auf die Swamp Tour: Wir sehen Schlangen, Spinnen, Wildschweine, Alligatoren, Waschbären, Fische, Schmetterlinge und Vögel. Ein Höhepunkt. Trotz der Touristen (inklusive mir).
Dann Fahrt Richtung Westen: wieder durch Sumpflandschaften, wunderschön. Wir sehen Flamingos und müssen auch mal mit der Fähre übersetzen ... Kaum sind wir in Texas, sehen wir erstens eine Ölplattform und zweitens in der beginnenden Nacht eine Flamme oben an einem Bohrturm (also beides Klischees, nicht wahr?!). Noch später halten wir nachts am Strand und hören dem Rauschen der Wellen (des Golfs von Mexiko) zu.
Und im Auto der Joy Division: «Love Will Tear Us Apart». Jaja.
Abends gibt’s beim Fast Food keinen vegetarischen Salat!
Und später regnet es seit Beginn der Reise das erste Mal.


MEINE IMAGINÄRE REISE, 10. MÄRZ (NEUNTER TAG)
N-Orleans: Das Vieux Carré, der Mississippi (mit entsprechendem Dampfer), French Market, die Straßenbahnen, alles Übliche halt. Bei schönem Wetter. Mittags in einer Regenbogenbar essen: Das beste Essen bisher.
Nachmittags Armstrong-Park, Einkaufscenter und dann joggen.
Abends nicht mehr in die Bourbon Street, obwohl grad fast Vollmond wäre ... Lieber sind wir im Teil der Altstadt, wo die Musiker live spielen. In dem Teil, in dem wir erstmals in den Staaten auch viele Velos sehen.
Etwas früher ins Bett, wir müssen früh auf. 

Freitag, 10. März 2017

MEINE IMAGINÄRE REISE, 9. MÄRZ (ACHTER TAG)
Morgens zuerst joggen.
Ach, die Waffelmaschine (bisher das erste Mal in einem Motel vorhanden) beziehungsweise die Teigmasse ist schon verbraucht ... Dafür läuft hier im «Super 8» im Frühstücksraum, zwischen Mechanikern und Fernfahrern, Fox News, also der republikanische Sender.
Nach dem Frühstück ins Nasa-Museum in Huntsville (U. S. Space & Rocket Centre). Weil wir zu spät für den G-Force Accelerator kommen, gibt’s ne Sondervorführung mit nur Jugendlichen aus dem Space Camp und uns: 4 Gs statt der üblichen 3 Gs! So was halte ich also verdammt knapp noch aus ...
Danach Weiterfahrt nach New Orleans (bei der Abfahrt noch das Nummernschild «2DMoon» gesehen) durch schöne Wälder und leichte Sumpflandschaft. Am Straßenrand Werbung für «Break for Steak» und anderes ...
Kaum sind wir südlich von Alabama, hört man sogar im März gleich die Grillen: Zirp, zirp. Alles so langweilig hier beim Schreiben, singen sie.
Und immer wieder steht «Employees Must Wash Hands» innen an allen Toiletten: hoffentlich.
In New Orleans erst nach 9 pm. Bourbon Street quasi ein Ballermann. Leichtbekleidet und sehr betrunken ziehen viele Hen Parties durch die Gasse und die Bars ...
In der Nacht dann kein Auge zugetan. 

Donnerstag, 9. März 2017

MEINE IMAGINÄRE REISE, 8. MÄRZ (SIEBTER TAG)
Nett: Auf den Herren/Knaben-Toiletten gibt es praktisch immer Pissoirs für Männer und (tiefere) für Knaben.
Von Washington mit der Amtrak nach Atlanta: Der Hauptbahnhof dort ist so was von klein ... Kaum zu fassen – oder natürlich: zu glauben.
Was auch sofort auffällt: Die Autos fahren etwas wilder als in Washington.
Und auf der Fahrt zum Flughafen: Alles wird auch in Spanisch durch die Lautsprecher gesagt ...
Wir mieten dann bei Alamo (die Bediente gleich nebenan hieß {Namensschild}: «Tequila») ein Auto und fahren bis Huntsville. Schöne Fahrt über den Tennessee und durch eine Seenlandschaft vor Huntsville.

Mittwoch, 8. März 2017

MEINE IMAGINÄRE REISE, 7. MÄRZ (SECHSTER TAG)
Ach, all das ist langweiliger, tönt langweiliger, als es ist. Es ist schön, ich genieße die Reise, die Orte, das Wetter, die Jogger, vieles. Bin ich also beim Schreiben ein Langweiler, erinnere ich nur die Grundstimmung und das Langweilige?
Knapper schreiben?
Über das anscheinend übertriebene Sicherheitsdenken: Da fahren gleich zwei Mütter mit ihren Kindern Fahrrad: Die eine mit dem Kind auf der Lenkstange, die andere mit dem Kind auf dem Sattel, sie stehend – und das mitten im Verkehr ...
Beim Eintritt ins National Air and Space Museum glaubt mir der Wachmann nicht (aber im Guten, er meint einfach, es sei was anderes), dass meine elektrische Zahnbürste eine Zahnbürste ist: «What kind of a toothbrush is that?!»
Das Museum ein Kindertraum: In ehemaligen Raumstationen (Replikas natürlich) herumlaufen zu dürfen, das fasziniert.
Dafür gibt’s im angegliederten McDonald’s keinen Vegiburger.
Abends um 6:30 pm fährt die Amtrak nach Atlanta. Im Bahnhof vorher sehe ich den ersten Schuhputzer. Und das obligate «we are all on duty»...
Was es hier übrigens viel gibt: leuchtende «EXIT»-Schilder ...
Beim Einsteigen in den Zug dann wieder die Beobachtung: Der Umgang mit Behinderten hier ist sehr freundlich und die Hilfe selbstverständlich.

Schon mal «Judge Judy» gesehen? – Zum Glück gibt es auch dies: senk deine augen nicht oder starre in die richtung, in die du zu gehen müssen glaubst / murmle nicht ...

FW: Anfang bis 8

Dienstag, 7. März 2017

MEINE IMAGINÄRE REISE, 6. MÄRZ (FÜNFTER TAG)
In der U-Bahn Richtung Zoo liegen in den Wagen Teppiche am Boden. Erinnert mich an die Färöer, wo sogar in den Operationssälen Teppiche lagen ...
Der Zoo selbst in der Wintersession nur halb bewohnt: «Nobody Home», steht an vielen Habitaten.
Auf dem Rückweg kurz geschaut, was es kosten würde, einen größeren Koffer für drei Stunden (für morgen) im Bahnhof zu deponieren: zehn Dollar! Gerade solche Dienste sind hier extrem teuer ...
Abends beim Mexikaner hat die «vegetarische Suppe» aus - offensichtlich - Hühnerbouillon ganze Hühnerfleischstreifen drin ...
MEINE IMAGINÄRE REISE, 5. MÄRZ (VIERTER TAG)
Heute im National Museum of the American Indian. Nun, da ist meine Messlatte halt hoch, bei Museen. Ein Film, wo sich die USA selbst extrem kritisch durchleuchten, ist gut, sonst fehlen mir deutlich Informationen. Schön vielleicht, dass sie heute lebende Indigene in Interviews befragen, aber mir wäre die Geschichte stärker zu betonen. In der Kantine schließlich gelten Nachos als authentisch indigene Mahlzeit. Nein, ich komme wirklich nicht ohne Klischees aus, und nicht ohne Europa-Chauvinismus ...
Per Zufall dann noch beim Titanic-Denkmal: «Von den Frauen Amerikas» (weil sich Männer für die weiblichen Passagiere geopfert haben) ...
Abends in einem Irish Pub, das Stammlokal der lokalen Feuerwehr ist: Trinksprüche auf die kürzlich bei einem Einsatz Verstorbenen.
In der nächsten Bar dann gleich an der Theke die Stromladebuchsen für die Handys der Gäste ... 

Sonntag, 5. März 2017

MEINE IMAGINÄRE REISE, 4. MÄRZ (DRITTER TAG)
Drei junge Frauen auf dem Trottoir überbieten sich mit hohen Stimmen gegenseitig in ihrer Vernarrtheit in einen kleinen Hund. Ich sitze am Fenster meines bescheidenen Bed-and-Breakfast-Zimmers in Washington, bei eigentlich schönstem Wetter. Aber wir waren bereits gut acht Stunden unterwegs, all das Obligate uns anzusehen entlang der Mall. Morgen geht’s dann in die Museen. China Town war gestern. Georgetown auch.
Ein Klischee mehr: Hier in Washington ist man fett oder dann gleich Jogger, so macht es den Anschein.
Das Amtrak-Hupen hört man bis hier, immer wieder.
Joggen.
Abends mit der Metro nach Georgetown: Erst verstehen wir den Automaten überhaupt nicht (die Angestellte tut so, als wären wir extrem ungeschickt), dann müssen wir nach einer Station aussteigen, weil ein Abschnitt renoviert wird, (wovon nichts gesagt wurde), steigen beim Ersatzbus falsch aus - und haben letztlich gut eineinhalb Stunden länger als geschätzt ...

Samstag, 4. März 2017

MEINE IMAGINÄRE REISE, 3. MÄRZ (ZWEITER TAG)
Am Morgen in New York früh ausgecheckt. Frühstück in einer Art Diner, aber fein vegetarisch. Es weht ein kühler Wind. Und wir müssen eh die Amtrak nach Washington erwischen. Der Bahnhof im Vergleich zu einem in Europa oder dem Flughafen praktisch menschenleer. Zumindest die Bahnsteige.
Die Fahrt selbst geht durch Industriebrachen, Vororte, etwas Natur und die Big Cities der Ostküste. Washington dann wie eine Museumsstadt: sehr ruhig. Fast zu ruhig. Fast keine Menschen auf den Straßen.
Das ändert sich abends in Georgetown. Ein GMC nach dem anderen hält und lädt junge Yuppies aus, die sich in der wohl gerade angesagten In-Bar ein paar Drinks genehmigen. Wir bleiben im Irish Pub und trinken Bier. Auch ein Klischee ...
Bei der Fahrt zum Hotel im Taxi ist für mich neu, dass den Passagieren mit einem Bildschirm gezeigt wird, wo der Taxifahrer gerade hinfährt: Man kann quasi überprüfen, ob man im Kreis herumgefahren wird oder eben hoffentlich nicht.
MEINE IMAGINÄRE REISE, 2. MÄRZ (ERSTER TAG)
Ein Klischee: Warum möchte ich diese Reise überhaupt noch machen? Denn es ist ja nicht so, dass ich erst nach meinem 40. Geburtstag auf die Idee gekommen bin, die Vereinigten Staaten (abwechselnde Namensgebung im Text macht sicher immer gut ...) zu befahren. Den Traum hatte ich als Jugendlicher. Möchte ich also, wenn ich mit meinem Bruder gehe, eine Art Jugend wiedergewinnen oder zumindest das Gefühl der Zwanziger? Kaum. Ich weiß ja, dass ich mich selbst und meine Gefühlswelt immer mit mir nehme. Die Lage im Innern ändert sich nicht groß. Aber ein Wechsel der Umwelt kann schon ein Wechsel auch im Innern bringen. Man wird halt dann sehen müssen ...
Auf jeden Fall will ich mir nicht die typischen Bilder wiederholen: Die «wahnsinnig hilfsbereiten» Amis, die «aber» «ach so auf die Kalorien schauen – oder überhaupt nicht» ... Oder die «ein übersteigertes» Sicherheitsdenken haben. Eine «unglaubliche» Landschaft. Ich will mir aufschreiben, was mir wirklich auffällt und im Kopf bleiben müsste. Einzelheiten. Die mehr sagen (könnten).

Die Reise begann an sich erst mit dem Start des Flugzeugs. Vorher war da das Gefühl des Gewöhnlichen noch zu groß. Zum Glück bringt mich «my love» (einige Klischees und Worthülsen dürften erlaubt werden), meine Freundin noch gut auf den Weg: Danke! – Danach aber beginnt zwar die Reise, wie gesagt, aber es ist doch ein Warten: Bis wir zwischenlanden, bis wir wieder starten, bis wir endlich in New York (JFK) ankommen. Ich komme viel schneller an der Grenzkontrolle vorbei als 2013. Nur das Iran-Visum wird dem Supervisor gezeigt, das ist es dann aber schon. In der Subway Richtung Penn Station allerdings sitzen wir mitten im Klischee (das wir vielleicht auch selbst sind: Wir müssen aufpassen, in unseren Kommentaren zueinander nicht in eine Art Europa-Chauvinismus zu verfallen: Man erwartet ein auch technisch führendes Land, und ist nicht gefasst auf Toiletten, die für unsere Nasen mehr stinken, auf Wasserhähne, die für uns unlogisch funktionieren – und auf Croissants, die 510 Kalorien haben: «Wie machen die das?!», lachen wir ...): Ein Penner, der sich grad verschiebt oder auch nur aufwärmt, stinkt dermaßen schlimm, dass viele Passagiere in andere Wagen ausweichen. Wir schauen einander an und bleiben.

Mittwoch, 1. März 2017

Ein weiterer Clou hinter allem: Bei der Suche nach der Wahrheit in Auf der Suche nach der verlorenen Zeit wird der Zwieback, den Marcel Proust in den Tee tauchte, zum Madeleine …: Was ist Wahrheit?