Früher haben die kuhlen Jungs (und einige noch kuhlere Mädchen) Mercedes-Sterne von ebenjenen Kühlerhauben gebrochen – das galt dann als besonders ‹aufrührerisch› und ‹gegen die angepasste Gesellschaft›. Warum? Weil es eine Auflehnung gegen die Erwachsenenkultur war, die ein Randalieren ohne Grund immer verurteilte ... und sich diese Erwachsenen eben so schön aufregten. Ich selbst fand diese grundfreie Auflehnung schon damals doof.
Heute sind die Sterne ersetzt worden durch die PALÄSTINA-Flagge. Viele, die sie schwingen oder sich in ihrem Umfeld bei Demonstrationen befinden, können nicht einmal sagen, wo Gaza genau liegt oder welcher Fluss und welches Meer bei «Flom se riverr to se zea» gemeint sei. Sie erwählen sich die Flagge halt einfach als Kennzeichen des Aufstands gegen die ‹alten Säcke›, gegen die Welt der Argumente und Belege (und demnach als vermeintliches Schlachtzeichen gegen das ‹System› [echter Kampf wäre ja wirklich etwas Wichtiges]). Und entsprechend reagieren wir ja dann auch.
Noch schlimmer aber sind jene Erwachsenen (nach den Teen- und Twen-Jahren), die dabei mittun. Bei ihnen hat diese billige, ewige Auflehnung fast immer etwas von der Unreife und Unakzeptanz des eigenen Älter-Werdens ...
Alles in allem sollte man das einfältige Palästina-Fahnenschwingen mit etwas mehr Gelassenheit sehen. Es ist schlicht eine Provokation, die eben funktioniert, drum wird sie immer wieder gewählt. Aber erst, wenn sie alle ein Fahnenschwingen mit totaler Nacktheit (stellvertretend für Anderes) kombinieren werden wollen, wird es wirklich voll gaga sein. Doch dann reißen ihnen die strenggläubigen Moslems bestimmt selber die Flatterei von den nackten Titten, Schwänzen und Arschbacken. Noch so gern.

