DIE LEERSTELLE (Leserbrief)
Den meisten Leserinnen und Lesern, vielleicht sogar den Kritikerinnen und Kritikern, ist vermutlich nicht bewusst, dass Bücher nicht (pseudo-)ewig lieferbar sind, ja, dass die wenigsten auch nur 50 Jahre durchgehend lieferbar bleiben. Dies jedoch hat E. Y. Meyer geschafft: Sein Roman "In Trubschachen" ist seit 1973 stets greifbar. Dazu war der Autor selbst bis ins schwierige 21. Jahrhundert hinein nie bei kleinen Verlagen zuhause (zuerst Suhrkamp, dann Amman, beide bekannt dafür, Autoren zu verlegen, nicht bloss einzelne Bücher ...). Und wer dann auch noch für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen wurde (2010 für 2011) plus mit nicht einmal 40 Jahren den Gesamtwerkspreis der Schweizerischen Schillerstiftung erhalten hat (und einen Band über ihn von Beatrice von Matt), dem sollte doch der Beitrag zumindest einer Zeitung seiner Wohnstätte zum hohen 80.Geburtstag sicher sein. Erst recht zu einem Zeitpunkt, an dem die Werkausgabe seiner Schriften, zwar auf private Initiative, aber dennoch, stetig wächst. – Aber nichts dergleichen, weder im BUND noch in der BERNER ZEITUNG. Wie einsam muss sich der Autor vorkommen, der sich doch in seinem Werk immer für Menschen eingesetzt hat, auch wenn er privat am Sonntagabend im Kreis seiner Freunde (quasi-)fürstlich gefeiert wurde? Denn wer vor dem Tode literarisch verschwindet, fühlt eine Auflösung, die über das hinausgeht, was Normalsterbliche erleiden müssen ...