Donnerstag, 24. September 2026
Mittwoch, 23. September 2026
Dienstag, 22. September 2026
Montag, 21. September 2026
Sonntag, 20. September 2026
Samstag, 19. September 2026
Freitag, 18. September 2026
Donnerstag, 17. September 2026
Mittwoch, 16. September 2026
EIN EINIG VOLK VON SCHWÄTZERN
A: Oftmals ist allyship bloss self preservation.Dienstag, 15. September 2026
Montag, 14. September 2026
2)
Ein Schriftsteller, der sich nicht mit der Welt abfinden wollte
Zum fiktiven Tod von Dominik Riedo
Manche Schriftsteller schreiben, weil sie Geschichten erzählen wollen. Andere schreiben, weil sie einer Welt, die ihnen allzu selbstverständlich erscheint, widersprechen müssen. Dominik Riedo gehörte zur zweiten Sorte.
Wenn heute die Nachricht von seinem Tod käme, würde man zunächst versucht sein, sein Leben in Daten und Stationen zu ordnen: 1974 in Luzern geboren, Schriftsteller, Essayist, Literaturwissenschaftler, Kulturpolitiker, Präsident des DeutschSchweizer PEN-Zentrums – und für einige Jahre sogar der eigensinnige, selbsternannte „Kulturminister der Schweiz“. Doch eine solche Aufzählung würde seinem Wesen kaum gerecht. Denn Riedos eigentliches Thema war nie der Lebenslauf. Es war die Freiheit.
Die Freiheit des Denkens. Die Freiheit der Literatur. Die Freiheit, einer Mehrheit zu widersprechen, wenn man selbst eine andere Wahrheit zu erkennen glaubt.
Riedo war einer jener Autoren, bei denen sich Literatur und gesellschaftliche Einmischung nicht sauber voneinander trennen lassen. Er schrieb nicht aus einem sicheren Abstand zur Welt. Er mischte sich ein. In Essays, Romanen und kulturpolitischen Interventionen zeigte sich ein Schriftsteller, der den öffentlichen Raum nicht den Politikern, Funktionären und Institutionen überlassen wollte. Literatur war für ihn kein dekoratives Beiwerk einer wohlgeordneten Gesellschaft. Sie war eine Form des Widerspruchs.
Vielleicht lag darin auch etwas Unbequemes. Wer sich so entschieden einmischt, riskiert Missverständnisse. Wer sich nicht damit begnügt, die richtigen Fragen zu stellen, sondern auch die falschen Antworten angreift, macht sich nicht überall beliebt. Doch gerade darin lag eine Qualität, die der Literatur gut ansteht: der Mut, nicht gefällig sein zu müssen.
Dominik Riedo war ein Schweizer Schriftsteller – aber einer, der sich mit dem Begriff Schweiz nie einfach zufriedengab. Ihn interessierte das Land als kultureller und politischer Raum, als Versprechen und als Widerspruch. Seine Auseinandersetzung mit der Schweiz war deshalb nie bloß patriotisch und nie bloß kritisch. Sie war leidenschaftlich. Er nahm dieses Land ernst genug, um mit ihm zu streiten.
Das macht seinen möglichen Tod zu einem Verlust, der sich nicht allein in den Büchern bemessen ließe.
Denn Schriftsteller hinterlassen nicht nur Texte. Sie hinterlassen Reibungsflächen. Sätze, über die man sich ärgert. Gedanken, die einen nicht mehr loslassen. Fragen, die nach der Lektüre größer sind als zuvor. Und manchmal hinterlassen sie vor allem die Erlaubnis, selbst widerspenstig zu denken.
Vielleicht ist das die schönste Form literarischer Hinterlassenschaft.
Wer Dominik Riedo gelesen hat, wird deshalb nicht einfach sagen können: Er hat geschrieben. Man wird eher sagen müssen: Er hat sich eingemischt.
Und gerade in einer Zeit, in der kulturelle Debatten immer schneller werden, Meinungen in Schlagzeilen passen müssen und der Widerspruch oft nur noch als Störung gilt, wirkt ein solcher Schriftsteller plötzlich besonders gegenwärtig. Ein Autor, der auf der Eigenständigkeit des Denkens beharrt, wird nicht dadurch überflüssig, dass seine Stimme verstummt. Im Gegenteil.
Sie beginnt dann erst recht nachzuhallen.
Wenn Dominik Riedo heute gestorben wäre, müsste man deshalb nicht nur von einem Schriftsteller Abschied nehmen. Man müsste Abschied nehmen von einem literarischen Charakter, der sich geweigert hat, Literatur als bloßes Geschäft mit Geschichten zu betrachten. Von einem Mann, der die Kultur nicht als hübsche Randzone der Gesellschaft verstand, sondern als einen ihrer Orte, an denen entschieden wird, wie wir über uns selbst denken.
Sein Platz wäre damit nicht einfach leer.
Er wäre voller Fragen.
Und vielleicht ist das, was ein Schriftsteller einem Land hinterlassen kann, kostbarer als jede Antwort: die Unruhe, weiterzudenken.
Dominik Riedo wäre dann nicht einfach verstummt.
Er hätte uns etwas zu lesen hinterlassen – und etwas, worüber wir streiten können.
Sonntag, 13. September 2026
Samstag, 12. September 2026
Freitag, 11. September 2026
Donnerstag, 10. September 2026
Mittwoch, 9. September 2026
Dienstag, 8. September 2026
Montag, 7. September 2026
*Fose ist ein seltener Familienname, mit alten europäischen Wurzeln.
**Jacher, eigentlich Jachère, ist eine landwirtschaftliche Brachfläche, also Ackerland, das vorübergehend nicht bebaut wird, damit sich der Boden erholen und neue Nährstoffe bilden kann.
Sonntag, 6. September 2026
Samstag, 5. September 2026
Freitag, 4. September 2026
Donnerstag, 3. September 2026
Mittwoch, 2. September 2026
Dienstag, 1. September 2026
Montag, 31. August 2026
Sonntag, 30. August 2026
Samstag, 29. August 2026
Caro (lässt den Kopf auf die Hände sinken): Du, ich kann das alles einfach nicht mehr. Schon wieder eine 40-Stunden-Woche, nur um die horrende Miete für mein WG-Zimmer zu finanzieren. Der Spätkapitalismus saugt mir komplett die Lebensenergie aus.
Lara (nimmt einen tiefen Schluck Haferlatte und nickt energisch): Ich sag’s dir doch immer wieder: Einzig und allein der Sozialismus ist die richtige Gesellschaftsform. Das ganze System hier ist doch nur darauf ausgelegt, uns bis zum Burnout auszubeuten, damit ein paar CEOs sich die nächste Jacht finanzieren können.
Caro (erregt): Eben! Wenn die Produktionsmittel erst mal in unserer Hand sind, ist endlich Schluss mit diesem ewigen Leistungsdruck. Im Sozialismus müssten wir nicht mehr so schrecklich viel ackern. Da reicht es, wenn jeder das beiträgt, was er kann, und wir teilen die Arbeit fair auf. Vier Stunden am Tag den Gemeinschaftsgarten gießen oder hier im Café aushelfen – das wäre mein Maximum. Danach könnten wir endlich mehr shoppen.
Lara (zustimmend mit ihrem ganzen Körper): Absolut. Wir würden einfach bedarfsorientiert produzieren, anstatt für den Profit zu schuften. Weniger Bullshit-Jobs, mehr kollektive Freizeit. Endlich mal ausschlafen, ohne das schlechte Gewissen, dass man gleich wieder im Hamsterrad rennen muss. Ich würde mehr reiten oder verreisen, alle Länder der Welt besuchen!
Caro (lächelt matt): Ein Traum. Keine Deadlines mehr, keine toxischen Chefs, kein Hustle-Mindset. Nur noch Solidarität und ein gutes Leben für alle. Lass uns bitte ab morgen die Revolution starten, ich will einfach nur noch auf der Couch liegen und exotische Früchte essen.
Freitag, 28. August 2026
Donnerstag, 27. August 2026
Mittwoch, 26. August 2026
Sacher Mach Doch!
- Herr Ober: Ein gestresster Kellner im Frack
- Der Tourist: Ein hungriger Gast aus Übersee
- Die Torte: Der süße Geist der Sachertorte (Singstimme aus dem Off)
Ich will die Torte!
Ich will sie jetzt!
Die Zeit ist knapp,
Der Magen schmerzt!
Sacher, mach doch! Gib mir Glück!
Ich brauche dieses Schokoladestück!
Halt ein, o Gast!
Keine Haislichkeit!
Hier herrscht die Ruhe,
Hier herrscht die Zeit.
Das Original braucht Ehrfurcht und Sinn,
Der Kaffee braucht Schlagobershyn (Schlagobers hin).
(schreit)
Ich sterbe vor Hunger!
Der Zucker sinkt!
Bis du servierst,
Der Tag verlinkt!
(aus der Ferne, zart und süß)
Dunkle Schale, weicher Kern,
Aprikose hab ich gern.
Schlagobers krönt meine Pracht,
Wer mich isst, vergisst die Nacht.
Warte, atme, sei bereit,
Süße ist die Ewigkeit!
Bitte sehr. Ein Original.
(schmilzt dahin)
Kein Streit mehr. Nur noch Qualm und Schall.
(Er nimmt den ersten Bissen, Orchester explodiert in Walzerklängen).
Sacher, mach doch! Immerfort!
Süßestes Wien an diesem Ort!
