Samstag, 30. Mai 2026

D.R.:
Ich möchte hier für einmal einen Fremdbeitrag von M.K. bringen. Mich beschäftigt der Fall auch etwas; doch komme ich nicht zum selben Schluss: Immerhin wurde George Floyd direkt von den Polizisten getötet, Henry Nowak ja nicht. Aber dass sich dennoch bisher von der Politik nur die Opposition teilweise entschuldigt hat, ist schon sehr unmenschlich. Schließlich ist hier ein junger Mensch gestorben, ein Sohn, der seiner Familie nun extrem fehlen wird.
(Zur stilistischen Ähnlichkeit: M.K. ist mit mir quasi-verwandt und eine Art Schriftsteller-Zögling. Sie muss nur noch lernen, meinem Stil zu entkommen, den sie zu sehr verinnerlicht zu haben scheint ... Sie hat aber auch schon ganz andere Arbeiten veröffentlicht, wo sie das mehr als besser hinbekommen hat und sogar mit Preisen spezifisch für ihren Prosa-Erzähl-Stil ausgezeichnet wurde.)

BEITRAG M.K.:
Irgendetwas stimmt hier nicht. / Ja, es kann sein, dass sich noch herausstellt, dass der 18-jährige Henry Novak sich irgendwann rassistisch geäußert hat, vielleicht sogar, dass er den späteren Täter provoziert hat. / Trotzdem: George Floyd war ein mehrfach vorbestrafter Süchtiger – Henry Novak war das alles offenbar nicht. Aber wie George Floyd wurde er zumindest indirekt von der Polizei getötet: Sie haben dem Täter geglaubt, dem 23-jährigen Vickrum Digwa, der mehrmals mit einem Kirpan auf Nowak eingestochen hatte und ihn derart schwer verletzte, dass dieser, nachdem ihn die Polizei mit Handschellen fesselte, noch auf dem Gehsteig verblutete beziehungsweise am eigenen Blut in der Lunge erstickte. Deshalb hat er mehrmals, wie George Floyd, gesagt: I can't breathe. / Doch die Polizei glaubte lieber dem Täter, dass dieser rassistisch beleidigt worden sei (darum auch die Handschellen für Henry Nowak). / Der hat aber nicht nur gelogen, sondern auch bloß die Polizei herbeigerufen beziehungsweise herbeirufen lassen, keine Ambulanz (obwohl er ja wusste, dass er zugestochen hatte). / Danach versteckte die Mutter von Digwa auch noch die Tatwaffe./  Zusätzlich kam heraus, dass ihr Sohn schon zuvor mit nicht bewilligten (ein Kirpan ist den Sikh in England unverständlicherweise erlaubt) Waffen gefilmt worden war. / Ja, ich verstehe die Diskussion um ein Two-Tier Policing. Nicht unbedingt, weil die Beamten dem falschen Mann glaubten. Auch nicht zwingend, weil sie das Blut, das offenbar sichtbar war, ignorierten. Sondern weil sich tatsächlich kein/e amtierende/r Politiker/in bisher dafür entschuldigt hat, was die Staatsdiener gemacht haben. Also ganz im Gegenteil zum Fall George Floyd, wo man sich (berechtigterweise) entschuldigt hat.

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