Mittwoch, 26. August 2026

Die 5 Fragen, die C. G. Jung all seinen Patientinnen gestellt haben soll 
 
Wozu bleibst du so, wie du jetzt bist? 
Weil ich offenbar nicht anders kann; ich würde mich gerne ändern. Aber verschiedene körperliche Gebrechen halten mich zurück. Es hat mittlerweile eine Stufe erreicht, in der ich mich nicht mehr wirklich als den Menschen sehe, der ich mit 29 einmal war (ich bin 52) – oder anders gesagt: Diese Person von damals sitzt nurmehr in mir wie eine dumpfe Erinnerung. 
 
Was geschieht mit dir, wenn dein größter Schmerz verschwände? 
Kann das jemand wirklich sagen? Aber ich hoffte, dass ich dann zumindest wieder so produktiv würde  das Einzige, was neben der Liebe und dem Lesen (beziehungsweise dem Er-leben von Kultur) für mich wirklich zählt –, dass ich mich wirklich ohne Scham SCHRIFTSTELLER nennen dürfte ... so wie 2007
2013/2017. 
 
Wo spielst du jeden Tag eine Rolle? 
Meint das: Wo bin ich nicht ich selbst, schauspielere demnach? Denn dann: Eigentlich nie; also keineswegs «jeden Tag». / Oder meint das eher: Wo bin ich jeden Tag wichtig? (Sigmund Freud konnte schon um einiges besser formulieren als sein Jünger.) Denn dann: a) Für meine Katzen. Weil ich mit keinem einzigen Freund täglich Kontakt habe. Auch mit keiner Freundin. Nicht mit einem Verwandten. Aber mit den Katzen schon. Der kleinen feinen; dem dicken Großen; und der hübschen Großen. Und sie mit mir. – b) Für meine Bücher (und damit für Schriftsteller, Verlage und die gesamte Kulturbranche). 
 
Welcher Angst verweigerst du dich zu begegnen? 
Was wäre, wenn ich bis zum Lebensende – das viel schneller kommen könnte, als ich denke – kein Buch mehr schriebe, wie ich es mir erhoffe? Ansonsten bin ich da recht radikal ...  
 
Wer bist du, wenn niemand hinschaut? 
Entweder ein weinendes Häuflein Elend, ein seelig lesendes Häufchen müder Knochen oder eine Art Kind ... Eine Art? Ja: Ein Kind im Herzen, von außen aber mit schon recht alter, vor allem aber dicklicher Hülle ... Eine Tragödie für sich – trotzdem: zusammen mit dem Lesen (und dem Uqawa) die schönsten Momente. 
 
Ittigen / 26.08.2026

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