Dienstag, 17. September 2013



Auch die Distanzen waren beängstigend. Warum ist die Welt, warum ist das Universum so eingerichtet, wie wir es erfassen? Du hast das schon als Kind aufgeschrieben und erst später bei Joyce gesehen, dass er dasselbe gemacht hat: »Ich wohne in Littau, Kanton Luzern, Schweiz, Europa, auf der Erde, im Sonnensystem, in der Milchstraße, im bekannten Universum …« Also erstens einmal mehr: Alles schon gedacht, alles schon getan, alles schon aufgeschrieben. Wieder hast du etwas abgebrochen. Und zweitens, eben: diese Distanzen! Oder diese Wege. Du wirst nie die ganze Schweiz sehen, geschweige denn ganz Europa. Wann aber hatte man genug gesehen, um über die Welt reden zu dürfen. Und wie weit waren die Besuche austauschbar: Konnte man New York schon mit siebzehn sehen oder erst mit siebenundvierzig? Und was musste man vorher gesehen haben, damit man bei nur einem Besuch alles mitbekam, was wichtig war. Soziologisch, architektonisch, kulturell, zeitgeschichtlich, kulinarisch et cetera. Man sieht nur, was man weiß …
Weiter gefragt: Wie weit waren die Erlebnisse im Leben austauschbar, damit man am Ende doch ungefähr gleich über eine Sache denken würde wie jetzt? Oder würde die kleinste Vertauschung schon einen ganz anderen Menschen aus einem machen? Du dachtest, ganz am Ende wüsstest du vielleicht darüber etwas Bescheid. Aber das weißt du weniger als zuvor. Der Kopf voll Äther.

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