Dienstag, 6. März 2012

Prollitiker.
Ich erfinde mir die Wirklichkeit. Sie mag sehr negativ sein, sicher. Aber die meisten lassen sich ihre Welten vorschreiben. Ich nicht, wenigstens.
Die Masse begrüßt das neue Jahr, wie sie es meist verbringen wird: johlend, umweltverschmutzend, halb besoffen.

Montag, 5. März 2012

Früher war in der Politik die weltgeschichtliche Kausalkette Homer-Ovid-Dante-Cervantes-Goethe-Joyce-Walther Blunschli noch gang und gäbe. Heute wird man bei der Erwähnung von Literatur als Schweizer Politiker auf der Nominationsliste von der eigenen Partei gleich sieben Plätze zurückgestuft: Wegen des ›Kontaktverlusts‹ mit der ›Basis‹.
Satz-mit-Pfeffer-heimer.
Waldo – warte nur, baldo eingeschläferst auch du.
Der Teufel spreizt die Beine: All diese Schreibenden, die meinen, man müsse nur ein gut Geschichtlein haben – Gesichtlein haben – dann werde es schon was werden – alles werde gut …

Sonntag, 4. März 2012

Das Antlitz eines ganzen Landes hat sich zu einer Maske verfestigt, doch wenn die Banken fallen, fällt sie ab. Ist der Börsenspuk vorüber, ist die Maske wieder da, und das ›normale‹ Leben geht weiter.
Es wird eine Zeit geben, wo alle alles wissen können – jederzeit. Die Frage wird sein: Was will ich wissen? Was mache ich damit?
Das Imperfekt der Erzählungen: Zwei Figuren könnten verschieden lange Vergangenheiten haben, obwohl sie am gleichen Tag geboren wurden (siehe Anna Karenina).
Die definierten Begriffe sind Backsteine, mit denen ich mein Gefängnis aufbaue. Aber wenn ich dann alles anzweifle, reiße ich die Mauer wieder ein.
Das ist Schrott; oder: Das ist Mist. Alles viel zu lieb. Schrott und Mist kann man wiederverwerten. Aber bei dem, was viele heute so produzieren, ist das nicht der Fall.

Samstag, 3. März 2012

Meine frühen Werkchen: Infantilia – etwas von wenigstens kleinstem Belang musste warten bis nach der Krönung zum Kulturminister.
Demokratisch ist es, wenn alle gleich schlecht schreiben. Gleich gut geht ja nicht.
Warum darf man eigentlich bei Skifahrern von der ›Elite‹ sprechen, bei den Schweizer Künstlern aber nicht?
Ein CVP-Politiker: »Jede Zwangsheirat ist ein absoluter Widerspruch zu unserer Kultur.« – Aber was bitte ist denn unsere Kultur? Dieses Herumwerfen mit diesem Begriff macht das Wort zu einer Art neuem ›Rasse-Begriff‹: Früher argumentierte man mit ›Rassen‹, heute mit ›Kultur‹. Weiter: Das Problem von Zwangshochzeiten ist eher das von traditionellen Gesellschaften, nicht spezifisch von anderen ›Kulturen‹ oder gar Religionen; früher (ja, bis vor Kurzem!, wenn nicht sogar noch heute) wurde auch bei uns ›zwangsgeheiratet‹, gerade in den Bergtälern. Aber das Geschichtsbewusstsein bei den Parlamentariern war schon immer sehr tief. Uns so was sitzt jetzt also in der Legislative …
Von früher bis kurz vor heute:
- O cool, n’Apfel.
- Könnt ich bitte mal was zum Anziehen bekommen?
- Iiih, eine Schlange!
- Wo gibt’s denn hier n’Latte macchiato, bitte?
Alles Flaschen, diese Typen – aber kein Geist drin.
Auf dem Fundbüro abgegeben: 7,2 Milliarden Herzen.
Die Engel, die nennen es Höllenfreud,
Die Teufel, die nennen es Himmelsleid,
Die Menschen, die nennen es: Liebe.