Freitag, 19. Dezember 2025

Warum erhielt Eckhard Henscheid (*1941) erstmals einen Rückblick aufs Werk mit 49 Jahren (Edition Text und Kritik 1990), dann eine 1991, die aber dafür nur bis 1989 abdeckt (und zusammen – also mit dem Wissen von 1991, dafür bis 1989 – auch quasi 1990 ergibt; Igel Verlag), sowie eine Bibliographie 1992, aber nur bis 1990 (und in einer Bibliografie gibt es praktisch nichts zu deuteln beim Aufstellen, drum steht das auch für 1990; Igel Verlag)? Weitere Sekundärliteratur in Buchform kam dann nämlich erst um den 60. Geburtstag herum auf den Markt, also dann, wenn Ehrungen meist etwa um sich greifen ... Warum also 1990? 
Weil Henscheid in seinen Parodien und den Wuttexten, den Entlarvungsstücken vielfach solche Menschen und Szenen analysiert, die stark für die alte BRD stehen. Er ist so richtig eigentlich der Schriftsteller der BRD, die diesen Staat bis 1990, also bis zur Wiedervereinigung, kritisch begleitet. Das meint nicht, dass er seither obsolet wurde. Einerseits kann man auch nach Jahrzehnten Werke schreiben über vergangene Zeiten, die vieles offenlegen. Dazu kommen all jene Texte, die nicht über den Geist der BRD handeln (oder in ihm), sondern eher ins Private übergehen. – Eine entscheidende Einsicht bleibt dies hier aber schon. 
Die etwas offenere Frage bleibt aber: Wie hat man das damals schon gewusst oder erahnt? – Nun, dass die Wiedervereinigung eine große Zäsur werden würde, war, glaube ich, vielen Menschen bewusst. Selbst ich bin 1990 deswegen extra noch rasch in die DDR gereist. Aber es beweist schon eine kluge Voraussicht, diesem hellsichtigen Autor zum 49. Geburtstag (okay, gut, um den 50. herum – aber zumindest die erste Publikation hat 1991 absichtlich nicht abgewartet und jene von 1992 wählt 1990 bewusst als Zäsur) die ersten Gesamtbeurteilungen und/oder Veröffentlichungsauflistungen zu widmen ...

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